Künstler

Iván Prieto

„Amolachada II. “ , 2016,
Ceramic, glazing and acrylic, 63 x 24 x 25 cm

„Berliner Punky“, 2015,
Keramik und Acryl, 30 x 16 x 17cm

„Drop“, 2015,
Keramik und Acryl, 35 x 20 x 20 cm

„Vogel im Kopf“, 2015,
Keramik und Acryl, 49 x 29 x 30 cm

„Ente“, 2015,
Keramik und Acryl, 54 x 30 x 26 cm

„Pig“, 2013,
Keramik und Glassure, 37 x 28 x 18 cm

„Brething“, 2015,
Keramik und Acryl, 36 x 45 x 22 cm

Arbeitsansatz

Iván Prieto represents in his last sculptures a ode to fragility, a parable of excess and shortage, not only of air, but also anything that links the human body with its surroundings.

The Spaniard’s sculptures include both allegories of various physical disabilities (like deafness or blindness) and representations of mental imperfections (e.g. hypersensitivity or morbid imagination).

Each of the portrayed characters has a real-life original, who – just like the artist himself – appears to struggle in pursuit of fulfilling their dreams by consciously grappling with infirmity.

Their poses resemble Erwin Wurm’s one-minute sculptures, the momentarily frozen figures of people captured in direct relations and confrontations with reality.

Nearly all of them seem to be a colourful and interesting heritage of the Spanish tradition of sculpture – flamboyant, theatrical and posed, devoid of deeper feelings.

Their faces are expressionless, their sensitivity as if erased, and all you can see in them is some ominous atmosphere of mystery, melancholy and solitude.

This characteristic way of portraying may also be compared to Giorgio de Chirico’s metaphysical painting, where the visions balance on the border of seriousness and grotesque, reality and dream. If there is a sculpture counterpart of the pittura metafisica, perhaps it is the surrealist representation in Iván Prieto’s art. Is it possible that when tackling the motif he flew as high as Brueghel, Rubens or Matisse once did?

Krzysztof Kucharczyk, curator and graphic designer.

Iván Prieto, spanischer Skulpteur, zeigt eine kleine Auswahl seiner surreal anmutenden, provozierend wirkenden Skulpturen aus Keramik. Das Tier als Maske, menschlicher Wünsche zur Verwandlung.

Diese zeigen sich in Dominanz und Virtuosität, mit Tiefsinn auf die menschlichen Abgründe gerichtet, sind Wesen von bizarren Ausmaß. Es sind die Menschen, deren Leben auf dem Kopf zu stehen scheint. Körper, die sich vom Kopf aus weiter entwickeln. Tränen, die im Übermaß den Augen entspringen, wie die Quelle aus einem Felsen.

Alles an diesen „Menschenformen“ scheint von Hypersensitivität in Beschlag genommen. Die leuchtenden Farben erhellen die Spannung und rufen die Aufmerksamkeit hervor. Die Skulpturen finden als Rauminstallation ihre Wirkung und rufen beim Betrachten gemischte Gefühle hervor.

Prieto fand in der griechischen Mythologie, über Icarus und seinen Vater Dädalus, seinen künstlerischem Ansatz für die geistige Auseinandersetzung in der Reihe dieser Arbeiten. Ikarus und Dädalus wurden – als Strafe, weil Dädalus dem Theseus hilfreiche Hinweise zur Verwendung des Aradnefadens gegeben hatte – von König Minos im Labyrinth des Minotauros auf´Kreta gefangen gehalten. Da Minos die Seefahrt und das Land kontrollierte, erfand Dädalus Flügel für sich und seinen Sohn. Dazu befestigte er Federn mit Wachs an einem Gestänge. Vor dem Start schärfte er Ikarus ein, nicht zu hoch und nicht zu tief zu fliegen, da sonst die Hitze der Sonne beziehungsweise die Feuchte des Meeres zum Absturz führen würde. Zuerst ging alles gut, aber nachdem sie Samos und Delos zur Linken und Lebinthos zur Rechten passiert hatten, wurde Ikarus übermütig und stieg so hoch hinauf, dass die Sonne das Wachs seiner Flügel schmolz, woraufhin sich die Federn lösten und er ins Meer stürzte. Der verzweifelte Dädalus benannte die Insel, auf der er seinen Sohn beigesetzt hatte, zur Erinnerung an sein Kind Ikaria.

Der Ikarus-Mythos wird im Allgemeinen so gedeutet, dass der Absturz und Tod des Übermütigen die Strafe der Götter für seinen unverschämten Griff nach der Sonne ist. Nach Ovid ließen die Götter Ikarus aus Rache sterben, weil Dädalus seinen Neffen und Schüler Perdix aus Neid auf sein Können ermordet hatte.