Künstler

Katja Schwinn | zeitschleifen

„Nero davola“,
nach Max Uhlig, Wein,
2015, Latex Reifen, 80 x 40 x 40 cm

„Barbera d’Alba“,
nach Max Uhlig, Wein,
2015, Reifen Latex, 60 x 30 cm

„La Mona“,
nach Max Uhlig, Wein,
2015, Latex Reifen, 50 x 55 cm

„Alles verloren Wine Estate“,
nach Max Uhlig, Wein,
2016, Reifen Latex, 110 x 50 cm

Arbeitsansatz

Ihre Werke aus Reifenmaterial und Latex sind entstanden nach Zeichnungen und Druckgrafik von Max Uhlig, deren nervöser Strich, heftig und vehement, sie anregte (z. B. o. T., nach Max Uhlig, Wein, 2016). Uhlig, geboren1937 in Dresden, seit geraumer Zeit auch im Westen bekannt, arbeitet letztendlich figurativ in Malerei, Zeichnung und Druckgrafik. Über seine Bildfindung sagt er selbst, dass der Bildgegenstand ihn erst dann richtig interessiert, „wenn er durch langes Anschauen fremd wird“.

Eine gute Voraussetzung für die bevorstehende Umwandlung! Diese plastischen Arbeiten bilden nun nicht nach, sondern transportieren, transformieren die Essenz von Uhligs grafischen Blättern, wie Katja Schwinn sie empfand und wahrnahm. Dazu demontierte sie Fahrrad- oder Autoreifen, was recht mühsam und körperlich anstrengend ist, Energie und Kraft kostet. Aber auch eine ungeheure Intensität vermittelt durch die Spannung, die den Reifen schon per se innewohnt. Und so durchaus vergleichbar ist den überreizt scheinenden Blättern von Uhlig, die ihrerseits mit heftigen kleinen Strichen, dreidimensionale Körper (Menschen, Tiere, Natur) abbilden oder plastische Kunstwerke auf die Fläche bannen, also gerade den umgekehrten Weg gegangen sind. Mit Latex formte sie zudem weitere, ihr wichtig erscheinende Formen nach, die rätselhafte Spuren legen und sich ganz der Übersetzung der grafischen Elemente verdanken. Was bei Uhlig kleine Striche waren, wandelt sich bei unserer Künstlerin um in störrische Strukturen.

Katja Schwinns Kunst handelt immer von Kunst, eine sehr zeitgenössische Art der Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, konzeptuell und an der Idee orientiert. Sie re-inszeniert die zweidimensionalen Werke, setzt ihren Gehalt, wie er ihr wesentlich erscheint, in einem anderen Medium um, verwandelt sie.

Susanne Kaeppele