Anna Gawlikowska und Karolina Jarmolinska

Nach meiner ersten [Kunst] PROJEKTE Ausstellung der beiden in Berlin lebenden italienischen Künstler, Sabatino Cersosimo und Jessica Rimondi, folgt aktuell die Präsentation zweier polnischer Künstlerinnen bei [Kunst] PROJEKTE – dem neuen Ausstellungsort in Mannheim.

Anna Gawlikowskas Arbeiten bestechen durch ihre klare graphische Ausdrucksweise, verdichtet in Nahaufnahmen und Anschnitten von Gesichtern. Diese kraftvolle Direktheit gestattet dem Betrachtenden kein Ausweichen. Der im Fokus liegende Blick der Abgebildeten ist häufig unausweichlich fordernd und provozierend.

Aufgebrochen wird die Reduktion durch Ornamente auf den Gesichtern – inspiriert von Tätowierungen, Bemalungen der Maori, Indianer, Afrikaner – graphische Muster, die Stärke verleihen, insbesondere im magisch spirituellen Sinn.

Ihre Wahl des Linolschnittes manifestiert diese Intention schon im Schaffungsprozess durch die dafür notwendige Konzentration und Präzision – kein Schnitt ist sekundär korrigierbar.

In Karolina Jarmolinskas Arbeiten dominieren Verwischtheit und Zerkratztheit.

Das immer währende anthropologisch existentielle Thema – Tod und Zeit – obgleich vielfach tabuisiert – ist das immer wiederkehrende zentrale Sujet der Kunstgeschichte seit Anbeginn – so auch für Karolina Jarmolinska. Sie beobachtet Menschen und schafft Momentaufnahmen, die den Mensch über den Augenblick hinaus reflektieren.

Besondere Anziehungskraft übt ihre eigens entwickelte Technik aus, wodurch ihre Bilder an alte Photographien erinnern, die wiederum selbst zu einer Metapher für Erinnerungen, Vergänglichkeit und Vergangenem geworden sind. Die Farbigkeit ist zurückgenommen – wie bereits verblasst. Momentaufnahmen, die in den Anfängen der Photographie aufgrund langer Belichtungszeiten nicht möglich waren – im Erscheinungsbild eben dieser Entstehungszeit.

Die nächste Ausstellung bei [Kunst] PROJEKTE plane ich für Ende 2015.