Ausstellungen

Augenblick

09.11.2018 | 19:00 Uhr

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Saft zur Butter

Die Ausstellung Saft zur Butter der [Kunst] PROJEKTE Monica Ruppert zeigt Werke von Gin Bahc (*1985) und Andreas Lech (*1988). Ihren Ausgangspunkt nehmen die Arbeiten in der Auseinandersetzung mit der aktuellen Bilderflut und der zunehmenden Medialisierung unserer Lebenswelten. In Bezug auf die Wirkungs- und Kontrollmacht von unterschiedlichen Bildkulturen hinterfragen die Künstler mittels einer engagierten und konfrontativen Arbeitsweise deren gesellschaftlichen und ästhetischen Dimensionen: Was ist geschmacklos, hässlich oder schön? Was ist Kitsch? Was sind „No-Gos“?

Zentral für Gin Bahc ist hierbei die Frage nach dem Verhältnis von Entbößung/Nackheit und Verdeckung/Verschleierung – verstanden als Ausdruck von Machtausübung und Demütigung einerseits und Selbstbestimmtheit und Provokation andererseits. In Bezug auf einzelne Aufnahmen aus Pornofilmen entwickelt Bahc comicartige Zeichnungen, die auf großformatigen raumgreifenden Wandarbeiten mit verschiedenen Medien, wie Gemälden, Fotos oder auch Worten kombiniert oder verwoben werden. In diesem Prozess von Konstruktion und Dekonstruktion mutierend visueller Hybride entstehen hintergründig Ensembles und Multimediainstallationen, die unterschiedlichste Atmosphären provozieren – von Rausch bis Beklemmung. „Ein Gefühl von Panik darf sich dabei durchaus einstellen“, sagt Gin Bahc, ohne dabei belehrend oder narrativ sein
zu wollen.

Auch in den aktuellen Arbeiten von Andreas Lech bildet das Material und die Darstellungsmöglichkeiten das Fundament, auf dem er seine Werke zu einer „bildnerischen Diskussion zur Bilderflut“ aufbaut. Dabei geht Lech prozesshaft vor. Auf mehreren Ebenen referiert er auf malerische Verfahrensweisen, ebenso wie auf vorhandene Bilder der Kunstgeschichte oder Popkultur.

Die Bilder zeigen monochrome Farbflächen, aus denen organische Formen hervortreten, die als Sinnesorgane lesbar werden. Das Licht ist diffus, die Farben wechseln von Rot zu Orange zu Violett- oder zu Grau und Braun. Andere Arbeiten zeigen Figuren, die in fahrigen rundbogigen Schwüngen eingebettet phantomartig aus dem Bildgrund hervorblicken. Sie führen ein Eigenleben. Es ist, als wären sie schon immer da gewesen und der Künstler hat ihnen bloß eine Kontur gegeben.

Lech schafft eine assoziative Bildwelt, die erfolgreich eine Kategorisierung vermeidet, da sie die Unterscheidung zwischen figurativ und abstrakt in der Schwebe lässt und unkonventionell die verschiedenen Genres, Techniken und etablierten Prinzipien der Malerei mischt. Dabei geht Lech bis zum Äußersten. Eine vordergründige Gefälligkeit ist nicht auszumachen. Vielleicht sind seine Bilder deshalb so wirksam. Sie erlauben uns, neu auf die Welt zu blicken.

Die Ausstellung Saft zur Butter ist, wie es schon der Titel andeutet, ein Ort der Irritationen, ein Ort, der Begegnungen.

Dr. Christine Karallus