Künstler

Gin Bahc

„Der Mann 1“, 2018,
ink on paper, 40 x 30 cm

„Der Mann 2“, 2018,
ink on paper, 40 x 30 cm

„Defect“, 2017,
ink on paper, 40 x 30 cm

„tiefgefickt“, 2017,
acryl on canvas, 60 x 80 cm

„romulus and remus“, 2017,
ink on paper, 36 x 48 cm

„it-is-like-some-surreal-abstract-art-thing“, 2016,
acrylics on canvas, 60 x 80 and 80 x 65,7 cm

Arbeitsweise

Ich setze mich in meinen Arbeiten mit gesellschaftlichen Themen, mit der Sozialpsychologie der Gegenwart auseinander. Meine Malereien entwickeln sich aus Zeichnungen, die oft Captures von Pornovideos nachempfunden sind. Zentral sind für mich die Themen der Entblößung und Verdeckung und deren vielfältigen Funktionen und Wirkungen. Entblößung und Nacktheit kann einerseits als Machtausübung und Demütigung auftreten, aber auch als Ausdruck von Selbstbestimmtheit und als Provokation. Das gleiche gilt auch für Verdeckung und Verschleierung.

Mich interessiert das Machtgefüge zwischen Menschen, die eine unterschiedliche Herkunft, unterschiedliches Alter und Geschlecht, unterschiedliche Ideologien und Religionen haben.

Meine Zeichnungen sind wiederum der Ausgangspunkt für großformatige Wandarbeiten. Die Wandarbeiten setzen sich aus verschiedenen Medien zusammen. Mit Wandzeichnung verbinde und kombiniere ich dabei unterschiedliche Elemente wie farbige Gemälde, Photos und Texte. Die Texte sind dabei ähnlich plakativ wie die Motive aus der Pornografie. Auch hier geht es um Machtfragen: die Macht von Texten und Bildern durch deren bloße Medienpräsenz und die Machtfrage zwischen Text und Bild. Mit alldem wird die Konzentration auf ein einzelnes Kunstobjekt bewusst gestört. Dinge wie Gleichzeitigkeit, Überlagerung verschiedener Elemente, Uneindeutigkeit, Schnelllebigkeit und die Zuspitzung dieser ganzen Phänomene sind bezeichnend für unsere Zeit. Diese vielbeschworene Bild- und Reizüberflutung ist etwas, das ich künstlerisch verarbeiten möchte, ohne affirmativ oder lehrerhaft zu sein.

Das Spannende daran ist für mich, dass bei dem Versuch, sich der Informationsflut und Bilderflut zu stellen, um einen Kontrollverlust zu verhindern, gerade durch diesen Kontrollverlust, eine Art schleichende Panik eintreten kann. Diese tiefer empfundene Panik hat dabei, so glaube ich, wenig mit der Panikmache und dem Heischen
nach Aufmerksamkeit durch Medien, Politik und Werbung zu tun, sondern ist existentieller Natur. Während von vielen Seiten her suggeriert wird, man könne und müsse das eigene Leben jeden Tag noch viel mehr unter Kontrolle bekommen und optimieren, weiß gerade die Werbung und die Politik aber auch, dass es eine Seite des Menschen gibt, die sich nach Kontrollverlust sehnt. Ich denke, Kunst muss sich dem im Grunde absichtslos stellen. Weder ist ihre Aufgabe, bewusst nach großen Emotionen oder Schocks zu zielen, noch, eine Art meditativen Gegenpol zu stellen. Für mich bedeutet Kunst machen, die Auseinandersetzung mit verschiedenen Lebenssituationen, den medial geprägten Erfahrungen unserer Zeit, der zunehmenden Medialisierung des eigenen Lebens. Ein Gefühl von Panik darf sich dabei durchaus einstellen.

Gin Bahc