Künstler

Sarah Straßmann

o.T., Keller Tüte, 2015,
Lambda Print, verschiedene Grössen

o.T., Keller Vitrine, 2015,
Lambda Print, verschiedene Grössen

o.T., Schleuse, 2015,
Lambda Print, verschiedene Grössen

o.T., Luke, 2015,
Lambda Print, verschiedene Grössen

The Chase

In Gehrys Museumsbau gibt es – fast wie bei einer mittelalterlichen Kathedrale – Räume zwischen Außen- und Innenhülle. Man könnte sie als eine Art „Unterbewusstsein“ des Gebäudes verstehen. (Friedrich v. Borries/ aus: Museum Unplugged 2015).

Als Kind hatte ich immer diesen einen Traum der Verfolgung. Ich wurde verfolgt. Meist war es eine undefinierbare Gefahr die mich quer durch ein Haus jagte. Ich rannte durch alle Etagen, hoch und wieder herunter, Treppen, Gänge, Türen, auf zu, zu auf, schlagende Türen, Mauern.

Das Schwierige dabei war, dass ich meist noch irgendjemanden hinter mir her zog, meine Familie, Freunde. Gemeinsam rannten wir die Gänge entlang, hoch, runter, Keller, Dachboden, wieder Keller. „Die Gefahr“ war uns dabei immer auf den Versen, hat uns aber erstaunlicher Weise nie eingeholt.

Im Frühjahr 2015 begann ich in Absprache mit dem Direktor des Museum MARTa Herford ein Photoprojekt über die Räume hinter den Kulissen des Museumsbaus. Eine Photoserie, die später im 10jährigen Jubiläumsbuch des Museums erscheinen sollte. Als ich durch diese „Nichtorte“ des Museums lief, habe ich einige Tage nach einem photografischen Zusammenhang gesucht, habe versucht, den Raum zu erspüren, Licht und Schatten ausgewogen, bin Treppen hoch und herunter gelaufen, war im Dachboden und im Keller, Gänge, Türen, Aufzüge, Schächte, Rohre, Mauern und Abgründe, und es musste schnell gehen. Am zweiten Tag meiner Erkundungen bin ich im Zwischenboden des Doms (der größten Museumsgalerie) eingeschlossen worden. Licht aus, Stahltür zu, 5 Minuten…10 Minuten… schneller Puls und ich wusste: der Titel würde „The Chase“ sein.

Sarah Straßmann hat zwei fast gegensätzliche Zugänge zur Photographie. Sie macht einmal wunderschöne, tiefgründige, handwerklich hervorragende Photographien. Sie promoviert außerdem gerade in Weimar in Photographie. In ihrer Doktorarbeit setzt sie sich (im Medium Kunst) mit dem Selfie und damit den sozialen Gebrauchsweisen und der Bildsprache von alltäglicher Photographie auseinander. Sie gibt darin also jede Autorschaft am Bild ab und sammelt stattdessen Photographien im Internet, um deren Bildsprache zu vergleichen.